04.12.2016 17:06
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Andreas Ludwig von Böhme (1776-1828)

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Andreas Ludwig
von Böhme
1776-1828
oo Charlotte
de Boor
1772-1842
                   
          |      
          Ludwig A.

1809-1824
Gustav

1811-1890
   
Andreas Ludwig von Böhme, * 17.11.1776 in Kiel, † 01.04.1828 in Lübeck, Rittmeister in hamburgischen, dänischen und französischen Diensten. Vermählt mit Charlotte de Boor. Verfasser einiger Schriften über die Hamburger Dragoner-Compagnie und zur Chronik der Herzogthümer Schleswig und Holstein.

Andreas Ludwig ging zunächst auf die Königlich-Dänische Forstlehranstalt zu Kiel und schlug nach bestandener Prüfung eine militärische Laufbahn ein.[1] Der Übertritt wurde ihm erleichtert, da der dänische Staat für die Ausbildung kompetenter Forstbeamter ein Jägercorps an der Forstlehranstalt stationierte. Daraufhin ging er nach Itzehoe in Holstein und diente im Königlich Dänischen Leib-Regiment leichter Dragoner als Regiments-und Brigade-Adjutant und im Rang eines Cornet.[2] Im Frühjahr 1803 hatte er Charlotte de Boor (1772-1842) aus Hamburg kennengelernt, die in Itzehoe zu Besuch weilte und später seine Ehefrau werden sollte.[3] Von Böhme blieb jedoch noch einige Jahre in der Garnisonsstadt Itzehoe und diente - inzwischen zum Lieutenant befördert - weiterhin dem Dragoner-Regiment.[4] Erst im Jahr 1809 nahm er seine Entlassung und siedelte nach Hamburg über, worauf die Hansestadt "ihm ihr kleines Cavallerie-Corps, das sie damals unterhielt, übergab", welches er fortan mit Rang eines Capitains comandierte.[5]
Ein für die Pferde des Regiments erbauter Stall diente als Namensgeber für die vorbeiführenden Straße an der einige Häuser und Hütten standen, wo auch der Capitain wohnte - beym Dragonerstall No. 45. Von Böhme hatte sich inzwischen verheiratet und war Vater zweier Söhne, die in der sogenannten Hamburger Franzosenzeit geboren wurden. Französische Truppen hatten Hamburg von 1806 an besetzt und forcierten die Eingliederung der Hansestadt in das Franz. Kaiserreich. "Bei der Auflösung des Hamburgischen Militairs im Februar 1811 kamen die brauchbaren Dragoner zu den französischen Lanciers und Gensdarmen."[6] Von nun an in französischen Diensten als  Rittmeister angestellt, übernahm er auch die Verwaltung des Montirungsbedarfs der Truppen des Elbdepartements. Als die Stadt 1814 von den franz. Truppen befreit wurde, feierte die Hamburger Bevölkerung das Ende der verhassten Besatzung und von Böhme nahm seinen Abschied.

Im Frühjahr des Jahres 1815 ersteigerte er das in Konkurs befindliche adlige Gut Bockhorn (bei Plön in Holstein). Das darauf befindliche Wohnhaus war „einstöckig, mit einem geräumigen Souterrain und zweien nach hinten ausgebauten Flügeln."[7]
Bereits 5 Jahre später verkaufte von Böhme das Gut mit über 23.000 Reichstalern Gewinn und siedelte 1820 mit Frau Kindern zunächst nach Oldesloe über.
Um den Söhnen den Besuch einer höheren Schule zu ermöglichen, zog die Familie im Frühjahr 1823 nach Lübeck.[8] Hier wohnten sie zunächst in der Altstadt, Große Petersgrube Nr. 412 (heute Nr. 12)[9]. Der Aufenthalt am Gymnasium endete jedoch schon in der zweiten Klasse des Katharineums, als der Sohn im Herbst erkrankte und schließlich am 20. November 1824 durch ein hitziges Nervenfieber starb. 1827 ging der jüngere Sohn Gustav, der von Kindheit auf eine große Neigung zum Seewesen hatte - dies aber zunächst den Eltern zuliebe aufgab - nach Hamburg, um als Schiffsjunge anzuheuern. Die Neigung war so stark, dass sie wieder durchbrach, als der Vater an der Schwind- sucht erkrankte. Kinderlos zog das Ehepaar noch einmal um, diesmal in die Fischstraße 82.[10] In diesem Haus starb A. L. von Böhme in der Nacht vom ersten auf den zweiten April 1828, nachdem er anderthalb Jahre an der Lungensucht gelitten hatte.[11]
Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten    
Anno 1828, Am Dienstage, den 8. April. No. 57.  
 
 
 
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[1] ALBERTI, Dr. Eduard: Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller, 1867.
[2] Dansk Demografisk Database (DDD). Aus der Volkszählung im Jahr 1803 geht hervor, dass v. Böhme als Cornet und Adjudant in Itzehoe einquartiert war.
[3] Familienarchiv de Boor - Landesarchiv Schleswig Abt. 399.9 Nr. 21. Briefe des Dr. Carl Friedrich de Boor aus Paris an seine Schwester Lotte u.a. mit Gegenbriefen Lottes 1802-1803.
[4] Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten, 1806. Darin ein Bekanntmachung, die er als Lieutenant unterzeichnet.
[5] SCHRÖDER, Dr. Hans: Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart, 1849.
[6] Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 08, 1889. Das hamburgische Militär bis zum Jahr 1811.
[7] Topographie Holstein 1841/A-H/061
[8] GOERING, Dr. A.: Neunzehnte Fortsetzung von Nachrichten über die St. Catharinenschule in Lübeck, 1825. Direktor der Schule über das Schuljahr 1824/25.
[9] Lübeckisches Adreß-Buch 1824.
[10] Lübeckisches Adreß-Buch 1828.
[11] Mitteilung zum Tode des Rittmeisters Andreas Ludwig von Böhme in: Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unparteyischen Correspondenten, Ausgabe Nr. 57 vom 8. April 1828.



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