15.11.2016 13:29
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Carl Richard de Boor (1841-1905)

Richard de Boor (1841-1905)
      Carl
de Boor
1810-1853
oo Auguste
Schwartze
1813-1862
     
        |        
Marianne
Elisabeth
1840-1908
Richard
de Boor

1841-1905
oo Emma
Bartenfeld
1848-1908
Carl
Bernhard
1842-1844
Carl
Wilhelm
1845-1898
Carl
Gotthard
1848-1923
Auguste

1851-1871
 
    |            
  Elisabeth
(Lilly)
1872-1923
Auguste
(Gusti)
1874-1943
Friedrich
(Fritz)
1875-1918
Wilhelm

1876-1941
       
  Carl Richard de Boor, * 25.10.1841 in Hamburg, † 15.10.1905 in Luzern. Ingenieur in der Schweiz. Sohn des Lehrers und Juristen Dr. Carl de Boor und der Auguste, geb. Schwartze (T. des Gabriel Gerhard Schwartze). 1871 Heirat mit Emma, geb. Bartenfeld.

Richard war das zweite von sechs Kindern des Lehrers Carl de Boor und dessen Ehefrau Auguste, geborene Schwartze, einer Tochter des Hamburger Kämmereischreibers Gabriel Gerhard Schwartze. Die Familie wohnte am St. Georgskirchhof 26 in St. Georg, nahe der Kirche in einem einstöckigen Haus mit großem Garten.

Nach dem frühen Tod des Vaters stand der Junge zunächst unter Vormundschaft eines Onkels, der Verwaltung aber zunehmend müde, trieb dieser nach dem Tod der Mutter die Trennung der jüngeren Geschwister in die Obhut verschiedener Verwandter voran.
Nach dem Schulbesuch in Hamburg begann Richard eine Mechaniker Ausbildung der nach gründlicher Vorbereitung ein Studium (1861-65) am eidgenössischen Polytechnikum in Zürich folgte. Der Aufenthalt in der Schweiz wurde durch eine Anstellung bei der Nordostbahn verlängert und erst 6 Jahre später verließ er Zürich wieder. Von Dortmund aus ging er nach dem Deutsch-Französischen Krieg zu den Elsass-Lothringischen Bahnen und im August 1871 verheiratete er sich in Zürich mit der gebürtigen Schweizerin Emma Bartenfeld (1848-1908), die ihm in den nächsten Jahren vier Kinder gebar.[1]

1874 trat er in die Dienste der Schweiz. Nationalbahn ein und arbeitete als Maschinenmeister im Verwaltungsgebäude der Gesellschaft (Neuwiesenquartier) in Winterthur.[2] Als die Bahngesellschaft 1878 wegen finanzieller Probleme zwangsliquidiert wurde, wechselte R. de Boor als zweiter Adjunkt zur Gotthardbahn und dort zum Bureauschef des Maschinenmeisters Herr J. A. Wild von Gossan (St. Gallen) ernannt."[3]
Im Frühjahr 1881 wurde sein Gesuch zum Erwerb des Kantonsbürgerrechts und die Aufnahme in das Bürgerrecht der Stadt Winterthur bestätigt und - nach Zahlung von 50 Franken an die Staatskanzlei - auch durch Ausstellung der Landrechtsurkunde gewährt.[4]
Die berufliche Tätigkeit veranlasste ihn jedoch zu einem Umzug nach Luzern, wo die Familie im sogenannten Pilatushof wohnte. Als Ingenieur erwarb er sich bei Planung und Bau des Gotthardtunnels besondere Verdienste. Er starb am 15. Oktober 1905 an den Folgen eines Schlaganfalls.


                                                                                                 Nekrologie.

R. de Boor. Aus Winterthur kommt die Trauerkunde, dass am 15. d. M. Ingenieur Richard de Boor, Adjunkt des Maschinenmeisters der Gotthardbahn, daselbst, wo er zu Besuch bei seinem Sohne weilte, einem Schlaganfalle erlegen ist. R. de Boor wurde am 25. Oktober 1841 in Hamburg geboren; er besuchte die dortigen Schulen und machte hierauf eine zweieinhalbjährige Lehrzeit als Mechaniker durch. Mit Privatstudium bereitete er sich dann auf den Eintritt in das Zürcher Polytechnikum vor, in das er im Herbst 1861 eintrat. Bis zum Jahre 1865 absolvierte er an demselben die mechanisch-technische Abteilung, worauf er, zunächst in den mechanischen Werkstätten der Nordostbahn, seine praktische Laufbahn begann und sodann längere Zeit bei Frehse und Wettstein in Zürich arbeitete. Im Jahre 1871 übernahm er die Stelle eines Werkmeisters bei den Elsass-Lothringischen Bahnen. Als aber bei uns die Eisenbahn-Bautätigkeit neuen Aufschwung nahm, ergriff de Boor mit Freuden die Gelegenheit, in die ihm lieb gewordene Schweiz zurückzukehren und siedelte als Maschinenmeister der schweizerischen Nationalbahn 1874 nach Winterthur über. Bis zur Auflösung des Unternehmens im Jahre 1881 blieb er in dieser Stellung. Nach Liquidierung der Nationalbahn, ging er zur Gotthardbahn über und war seither in Luzern, zuerst als Kontrollingenieur für das Rollmaterial und seit 1882 als Adjunkt des Maschinenmeisters tätig.
   Neben der Erfüllung seiner beruflichen Pflichten, denen er stets mit gründlicher Fachkenntnis und Gewissenhaftigkeit nachkam, suchte de Boor gerne den Umgang mit geselligen Kreisen, und namentlich auch mit seinen alten Studiengenossen. An den Jahresversammlungen der G. e. P. pflegte er regelmässig teilzunehmen; es war ihm immer eine grosse Freude, seine alten Kameraden an denselben begrüssen zu können. Sie werden ihm denn auch mit dem grossen Kreis der um ihn trauernden Freunde ein treues, herzliches Andenken bewahren.
Aus: Schweizerische Bauzeitung, Band (Jahr): 45/46 (1905), Heft 17.
 
 
 
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[1] Familien-Nachrichten der Familie de Boor von Dr. Carl de Boor. Zweite Abschrift mit Ergänzungen von unbekannter Hand.
[2] Inserat der Schweizer Nationalbahn in der Zeitschrift "Die Eisenbahn" Band (Jahr): 2/3 (1875) Heft 17.
[3] Geschäftsbericht der Direktion und des Verwaltungsrathes der Gotthardbahn, Lucerne, 1879.
[4] Staatsarchiv des Kantons Zürich, Signatur StAZH MM 2.231 RRB 1881/0440. Titel: Karl Richard de Boor, v. Hamburg; Landrecht. 12.03.1881.



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