10.07.2016 12:00
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Claus Hermann de Boor (1848-1889)

 
        Claus
de Boor
1819-1890
oo Amalie
Siemsen
1822-1908
   
          |      
             Hermann
de Boor

1848-1889
oo Julie
v. Ploos van Amstel
1848-1932
N.N.

1850-1850
Albert
de Boor
1852-1945
            
                          
                 
Claus Hermann de Boor, * 12.12.1848 in Hamburg, † 30.11.1889 in Hamburg. Schlachtenmaler. Sohn des Dr. jur. Claus de Boor und der Amalie, geb. Siemsen (T. d. Senators Peter Siemsen). Malte überwiegend Schlachtenbilder mit Szenen aus den dt.-frz. und Napoleonischen Kriegen, ferner komponierte und textete er eine Vielzahl militärische Lieder und Märsche.
 
Hermann de Boor wuchs zunächst in der Hamburger Altstadt auf. Die Wohnung im mehrstöckigen Haus Raboisen No 9 befand sich am Rande des heutigen Glockengießerwalls (gegenüber der heutigen Kunsthalle), der Binnenalster und Brandsende, wo einige Jahre zuvor der große Hamburger Brand unter Kontrolle gebracht wurde. Der Vater besaß zwar noch das Dockenhudener Landhaus vor den Toren der Stadt, verkaufte es 1852 aber an den Nachbarn, den damaligen Besitzer des Hirschparks, Johann Cesar VI Godeffroy. In dieser Stadtwohnung lebte die Familie die nächsten 16 Jahre.
 
Aus gesundheitlichen Gründen erfolgte die Erziehung im Elternhaus. Die bildende Kunst brachten ihm bis 1869 der Zeichenlehrer Ehrich und die Musik Fritz Schmidt (ein Schüler des Hofkapellmeisters Spohr) bei. Johann Georg Heinrich Ehrich (1825-1909) war Lehrer der Gewerbeschule und unterrichtete an der Zeichenschule der Patriotischen Gesellschaft. Als Kunstmaler an der Düsseldorfer Akademie ausgebildet, führte er den jungen Schüler in die Welt der Malerei ein, förderte dessen Talent und reiste mit ihm nach Berlin, Dresden und Leipzig, um die dortigen Bildergalerien zu studieren.

Im Frühjahr 1869 ging Hermann de Boor nach Düsseldorf. Hier wurde er Privatschüler des Historienmalers Wilhelm Camphausen (1818-1885), in dessen Haus er auch Wohnung und Atelier erhielt. Camphausen hatte sofort das ungewöhnliche Kompositionstalent des jungen Künstlers erkannt. Mit Phantasie, einer scharfen Beobachtungsgabe und einer sicheren Hand ausgestattet, arbeitete er zunächst weiter an der Richtigkeit und Genauigkeit in der Zeichnung. Hatte H. de Boor sich zuvor noch mit der Landschaftsmalerei beschäftigt, fand er mehr und mehr Gefallen an der Darstellung von Pferden, Kriegsmaterial und Kanonen, das sein Interesse für das Waffenhandwerk eher entsprach.
Weiter Entwürfe fertigte er in den Kriegsjahren 1870/71 an. Eine Reise nach dem Elsaß nutzte er für Skizzen französischer Gefangener, Aufnahme von Schlachtfeldern oder Zeichnungen beschädigter Festungswerke. Auch die Kriegsschauplätze der Napoleonischen Kriege von 1813-15 studierte er eingehend. Als Reisebegleiter stand Freund und Künstlerkollege Ernest Crofts (1847-1911) zur Seite, der zusammen mit einigen anderen Schülern einen kleinen Künstlerkreis um de Boor bildete.

In der Folge entstehen mehrere große Schlachtenbilder, die in Ausstellungen und Kunstvereinen in Bremen, Hannover, Hamburg und Berlin erstmals einer größeren Öffentlichkeit gezeigt wurden. Darunter "Angriff von Chasseur d´Afrique auf Preußische Infanterie in der Schlacht von Sedan" (1873), die "Schlacht bei Belle-Alliance, 18. Juni 1815" (1878) in der Königl. Akademie der Künste in Berlin und das bereits im Jahr 1875 entstandene und erstmals bei Ed. Schulte in Düsseldorf gezeigte Bild der "Erstürmung von Loigny" durch die hanseatische Infanterie am 02. Dezember 1870. Einer Widmung der Stadt Hamburg an das Offiziercorps des Hanseatischen Infanterieregiments Nr. 76. Es zeigt Oberst von Neumann mit gezogenem Säbel beim Angriff gegen französische Infanteristen, die die Dörfer Loigny und Fouyen besetzt hielten. Später folgte eine weitere Szene ("Schlacht bei Loigny") mit dem Kommandanten, Oberst von Boehn.

Nachdem er einige Jahre zuvor an Tuberkulose erkrankte, verließ de Boor Düsseldorf 1879 und kehrte zurück in seine Heimatstadt Hamburg. Hier baute ihm der Vater im Garten seines Hauses in der Rothenbaum-Chaussee 197 ein Atelier, in dem der Maler die nächsten Jahre tätig ist - Hermann de Boor von seiner Frau Julie gemalt, 1888zunächst noch allein, Anfang der 1880er Jahre zusammen mit der Portraitmalerin Julie von Ploos van Amstel, geb. Unna (1848-1932).
Eine vielfältige Sammlung von Waffen und Kleidungstücken, die als Vorlage und Hilfsmittel dienten, schmückten das Atelier, darunter Utensilien von etlichen Kriegsschauplätzen - sogar die auf einer Italienreise erstandenen Requisiten ließ in einer Kiste verpackt von Rom nach Hamburg schicken. Sie waren Voraussetzung für die detailgenaue Wiedergabe, die sich in all seinen Werken wiederspiegelt.

„Rings herum an den Wänden des Ateliers waren zahllose Uniformen aufgereiht: Infanterie und Artillerie, Husaren und Ulanen, die glänzenden Panzer der Garde du Corps, dazu Hieb-, Stich und Schußwaffen und echte französische Waffenröcke und die dazugehörigen roten Hosen. Der Diener des Hauses hatte sich darin zu verkleiden und in mannigfaltigen Posen, wie sie sein Herr gerade brauchte, stürmend, schießend, bajonettierend, Modell zu stehen. Und auch Kavalleristen wußte er darzustellen. Zu diesem Zweck stand mitten im Raum ein vierbeiniges Lattengerüst in der Größe eines Pferdes. Als französischer Kürassier schwang er sich auf dies angedeutete Roß und hing, einen verwundeten Reiter wiedergebend, naturwahr zur Seite herunter."
[1]

1880 entsteht das Gemälde "Schlacht bei Waterloo" (186 cm x 335 cm), das noch im selben Jahr in der Kunsthalle ausgestellt und wenig später in London gezeigt wird (heute Museum für Hamburgische Geschichte). Im Kunstsalon von Louis Beck & Sohn wird "der letzte Moment bei Waterloo" und das 1884 entstandene Bild "Angriff der 7. Kürassiere bei Mars la Tour am 16. August 1870" gezeigt. Die Schlachtenszene (auch die Schlacht bei Vionville genannt) wird im Mai 1886 für 2.100 Reichsmark vom Kaiser Friedrich Museum Magdeburg angekauft.
[2] Es zeigt Major von Schmettau mit dem Magdeburgischen Cuirassier-Regiment No. 7 und den altmärkischen Ulanen No. 16. Aufträge oder Anschaffung von öffentlichen Einrichtungen waren aber eher selten und so befinden sich die meisten Werke zunächst in privatem Besitz im Umfeld der Familie de Boor.


Auf musikalischem Gebiet konzentrierte er sich zunächst noch auf die klassische Musik, „so daß er die Klavier- partien in einigen in unserem Hause stattfindenden Concertabenden zu allgemeinem Beifall übernehmen konnte"
[3], und Zeitzeugen behaupteten, er gehöre neben dem Senator Hachmann zu den besten Klavierspielern Hamburgs. Später widmete er sich der Komposition von Liedern, wozu er die Texte meist selbst dichtete. Zwölf dieser Lieder wurden bei der Buch & Musikhandlung Schlesinger verlegt.

           Nicht minder zeugen eine große Anzahl von ihm gedichteter und       componirter Soldatenlieder, welche sich durch ungemeine Frische und       Melodienreichthum auszeichnen, auch auf diesem Gebiete für seine reiche,       künstlerische Kraft." [4]


Nach Jahren der gemeinsamen Arbeit im Atelier heiratet Hermann de Boor im August 1888 Julie Ploos van Amstel, geb. Unna. „Im Umgang und in der Ehe mit einer ihm innigst geistes-, gemüths-, und kunstverwandten Frau, in gemeinsamen Schaffen und in der Freude an Malerei und Musik, zu welcher sie anregend, fördernd und selbstthätig beitrug [...]."
[4]
Die nächsten 7 Monate verbringen sie überwiegend in Venedig. Zwischenzeitlich lässt er auf dem elterlichen Grundstück neben dem großen, alten Atelier ein kleines Haus als Künstlerwerkstatt errichten. Dieses Atelierhaus (Moorweidenstr. 19) wird für Jahrzehnte ein Sammelpunkt geistig und künstlerisch interessierter Menschen.
[5] Dem Künstlerpaar dient es nur von kurzer Dauer, hatte ihn zuvor ein Augenleiden mehr und mehr an der Erstellung neuer Entwürfe gehindert, erkrankte Hermann de Boor 1889 an Miliartuberkulose, der er, nun völlig erblindet, am 30 November erlag.


Es war sein besonderes Talent, bei Entwicklung großer Waffen durch geschickter Kompositionen den Vorgang klar und übersichtlich zu schildern. Mit besonderer Vorliebe wählte er solche Episoden, wo kühne Reiterangriffe die Entscheidung einer Schlacht herbeiführten, da diese ihm Gelegenheit boten, Roß und Reiter, seinem Temperament gemäß, in höchster Lebendigkeit auf die Leinwand zu bringen."
[4]

                                 

Die Werke von Hermann de Boor umfassen Schlachtenbilder aus dem Siebenjährigen Krieg (Schlacht von Roßbach), dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 (u.a. die Schlachten von Mars-la-Tour, Sedan, Loigny und Gravelotte) und Szenen aus der Zeit napoleonischer Eroberungsfeldzüge (Schlacht bei Möckern und Waterloo). Daneben zahlreiche Pferdestudien, Landschaften, sowie Architektur- und Terrainstudien vom Rhein.


Werke (Auswahl):

- Wassermühle
- In einen Abgrund stürzende französische Kürassiere bei Mars la Tour, 1870
- Angriff von Chasseur d´Afrique auf Preußische Infanterie in der Schlacht von Sedan, 1873
- Die 76ger bei Loigny, 1875
- Die Schlacht bei Loigny
- Schlacht bei Belle-Alliance, 1878
- Skizze aus der Schlacht bei Waterloo, 1878
- Verwundetes Pferd bei Gravelotte, 1879
- Angriff franz. Kürassiere bei Waterloo, 1879
- Der Deserteur
- Attacke der Husaren der deutschen Legion bei Belle-Alliance
- Die Schlacht bei Waterloo, 1880
- Waiting for master, 1880
- Bazaine von Braunschweiger Husaren überfallen und verfolgt. Episode aus der Schlacht bei Mars la Tour am 16. August 1870, 1881
- Reiterschlacht 1870/71, 1881
- Eroberung einer französischen Batterie, 1883
- Angriff der 7. Kürassiere bei Mars la Tour am 16. August 1870, 1884
- Letzter Moment der Schlacht bei Waterloo, 188?
- Waterloo - Kampf zwischen Engländern und franz. Infanterie (Ölskizze)
- Waterloo nach der Skizze von 1878 (unvollendet)
- Angriff schwarzer Husaren bei Möckern (unvollendet)
- Friedrich der Große bei Hohenfriedberg
- Skizze einer Kanone
- Schlachtenskizze 1870/71
- Reiter in Uniform
- Dächer im Mondschein
- Schlachtenskizze aus dem Krieg 1870/71
- Schlachtenskizze aus dem Krieg 1870/71 II
- Preußische Kavallerie erobert französische Batterie 1815
- Schlacht um 1815
- Schlacht um 1815 II
- Gefechtsszene 1870/71
 
 
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[1] MERCK, Heinrich: Begegnungen und Begebnisse. Hamburg 1958.
[2] freundliche Mitteilung vom 17.09.2010 Kulturhistorisches Museum Magdeburg, Sabine Libscher an den Verfasser.
[3] Familienarchiv de Boor - Landesarchiv Schleswig Abt. 399.9 Nr. 46. Aufzeichnungen des Archivardirektors Dr. Albert de Boor über seine Jugendzeit.
[4] Familienarchiv de Boor - Landesarchiv Schleswig Abt. 399.9 Nr. 5. Kunstmaler Claus Hermann de Boor. Darin Zeitungsartikel anlässlich einer Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle, 1891. Name der Zeitung und Verfasser unbekannt.
[5] Das Haus in der Moorweidenstr. 19 wurde 1943 durch einen Bombenangriff zerstört, nachdem der Kunstmaler Fritz Kronenberg es seit ca. 1933 als Wohnung und Atelier genutzt hatte.




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