10.07.2016 12:00
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Isaac de Boor (1704-178?)

        Joh. Peter
de Boor
16??-172?
oo Johanna Maria
     Gruber
   1680-17??
 
          |    
Sara

1700-1735
Andreas

1702-1771
Isaac
de Boor
1704-178?
oo Anna M.
Meyer
1702-17??
Anna
Elisabetha
1707-1785
Albert

1709-1750
Rachel

1712-1772
Johanna
Margretha
1715-1723
      |        
  Johann
Abraham
1732-1799
Joh. Jacob
Hartwig
1734-1???
Isaac

1737-1787
Sara
Catharina
1739-1822
Johan
Friedrich
1741-17??
Cornelis D.
Benjamin
1743-1???
Anna
Maria
1746-1???
 

Isaac de Boor, * 06.11.1704 in Hanau, † ??.??.178? in Hamburg. Weinhändler in Hamburg. Sohn des Johann Peter de Boor (auch Deboor oder Debor), Hanauer Walkmüller und der Johanna Maria Gruber (T. d. Michael Gruber).

Das dritte Kind der Walkmüllerfamilie wurde am 09.11.1704 auf den Namen Isaac getauft
[1] und fand - wie bei den beiden Kindern zuvor - in der hochdeutsch reformierten Kirche statt. Als Paten waren der Färber Isaac Baron[2] und seine Frau aus der Hanauer Neustadt anwesend. Der Eintrag im Taufbuch lautet:

Eintrag im Taufbuch der hochdeutsch reformierten Kirche, 1704
Eodem gebohren, d. 6. dito.
der Vatter, Peter Debor, ein Walkmüller
all hier,
die Mutter, Johanna Maria.
das Kind, Isaac.
Gevatter, Msr. Isaac Barron, des Raths
u. Färber in der Neustadt u. deßen
Fr.




Isaac ging zunächst bei einem Weinküfer, Faßbinder oder Bender in die Lehre, ein für die Weinhandlung nützlichem Gewerbe. Später wird ihm der Lehrbrief die Aufnahme in das löbliche Amt der Weinverlasser ermöglichen: „Weil er ein zu Hanau von ehrb: Eltern gebohren und alda gelernt."
[3]
Es scheint aber, als habe er Hanau schon bald nach seiner Lehrzeit verlassen. Ob dies durch die Wanderjahre oder aber durch den Tod des Vaters begründet ist, bleibt unklar. Isaac fand in Hamburg eine neue Heimat und eine der vielen reformierten Familien, die sich in der Hansestadt niedergelassen hatten, wird ihm bei seiner Ankunft geholfen haben. 1731 ist er im Traubuch der Deutsch-Evangelisch-Reformierten Gemeinde nachweisbar, als der - aus Bilt bei Utrecht stammende - holländischsprachige Pastor Jakobus (Jacob) de Reus
[4] seine Vermählung notierte:[5]

                                   1731
d 20 Maÿ
Cop: 374
              Isaac de Boor jung mann und Sohn von seeli:
              Peter de Boor, gebohren in Hanau, mit
              Anna Metta Mejer, junge Tochter von Hartwig Mejer
              gebohren in Hamburg


Anna Metta Meyer war die Tochter des aus Lüneburg stammenden Hartwig Meyer, der in zweiter Ehe mit Idia Kocks verheiratet war. Eine in Amersfoort geborene Niederländerin reformierten Glaubens.
1732 fand die Geburt des ersten Kindes statt, dem noch sechs weitere folgten. Alle wurden in der ref. Gemeinde getauft und bis auf die beiden letztgeborenen Söhne, besuchten sie auch den dortigen Konfirmandenunterricht.
[6]

Isaac arbeitete im Weinhandel - einem Gewerbe, in dem er zunächst als unzünftiger Weinverlasser tätig war, sich dann aber wohl der Mitgliedschaft des Amtes nicht entziehen konnte oder wollte, zumal es in der Stadt eine nicht unbedeutende Anzahl von Pfuschern gab.
Verpflichtend war der Beitritt in die Gilde zwar nicht, dennoch „zählten vormals alle, selbst die bedeutendsten Hamburgischen Weinhändler"[7] zu den Mitgliedern. Auch wenn die Aufnahme erst später erfolgte, wie das Beispiel von Johan Lorentz Meyer zeigt. Er war ohne Zweifel einer der wohlhabendsten Hamburger Kaufleute dieser Zeit und in der niedergeschriebenen Familiengeschichte wird berichtet, er sei „i. J. 1730 bereits als wohletablirter Kaufmann und Weinhändler zu Hamburg in guter Nahrung, als er es seinem Geschäfte zuträglich erachtete, dem hiesigen Amte der Weinverlasser beizutreten […]".
[8]

Am 16. Mai des Jahres 1737 versammelten sich auf Einladung des Präsidenten und Altvormann Johann Hinrich Mundt die Mitglieder des löbl. Amt der Weinverlasser „am gewöhl. Orte des Amts Haußes" in der „grossen Johannis Strasse", um die Gesuche des Isaac de Boor, Christian Hinrich Prodt und Johann Hinrich Mundt junior zur Aufnahme zu entscheiden. Nachdem die Meister angenommen wurden, so berichtet das Protokoll weiter, sind die 20 anwesenden Mitmeister „den Nachmittag zu einer kl. Mahlzeit invitieret worden, jedoch ohne der löbl. Amts=Lasten."
Am Ende der Niederschrift findet sich noch das Notabene: „Isaac Deboor promittierte seinen Lehrbrief beÿ Verlust 20 rtl: [Reichstaler] innerhalb 2 Monat einzubringen."
Einen Monat später haben die Herren Alten und Beisitzer die erforderliche Einsicht in den Lehrbrief genommen und Isaac versprach, dass er die Handwerksordnung und sich den Artikeln gemäß verhalten wird und „denen H: Patrone und H: Alten u: Beÿsitzern allen gebürl. Respect u: Ehre erweisen wolle." Anschließend unterschrieb er mit Datum 15. Juni 1737 eigenhändig als Isaac Deboor.
[9]

Ob ihm der Eintritt Vorteile einbrachte oder wie sich die Weinhandlung entwickelte, muss noch unbeantwortet bleiben. Dass er allerdings über die Grenzen Hamburgs hinaus handelte, belegt die Angabe seines Namens in einem Wiener Convocationsedict vom 10. Juli 1748.
[10] In dem Nachlass als Gläubiger namentlich aufgeführt: „Isaac de Boor und Heyer Handelsleute in Hamburg".[11]

Es scheint, als habe er seine Geschäfte noch fast 20 Jahre fortgeführt. In den Protokollen der Weinverlasser lässt sich sein Name bis in das Jahr 1765 belegen. 1747 wurde notiert:

Ferner ist das Amtl. Bothen Officium der Ordnung nach
Meister Isaac de Boor hinwiederum aufgetragen, und von demselben willig acceptiret worden.
"

Isaac de Boor erwarb sich mit der Zeit das Vertrauen seiner Mitmeister und so wurde er 1750 „per majora" von 26 zu 10 Stimmen zum „Büxsenmeister" (Verwalter des Zunftvermögens) gewählt. Einige Jahre später setzte er sich bei der Wahl zum „Probemeister" mit 4 Stimmen Vorsprung gegen Joh. Hinrich Hencken durch und auch die Ernennung zum „Beÿsitzer" nahm er an. Nur bei der Wahl zum „Altermann" unterlag er im Jahre 1762 recht deutlich und am 17. April 1765 gaben ihm die anwesenden Mitmeister gar nur 5 Stimmen.
[12]
Wie lange er im Weinhandel arbeitete ist nicht überliefert, jedoch wird in der Familienchronik erwähnt, der älteste Sohn Johann Abraham wurde nach seiner Rückkehr aus dem 7-jährigen Krieg (1763) Weinhändler. Vermutlich hatte der Vater die Unternehmung dem Sohn übertragen.
Isaac selbst kommt 1780 noch im Landesprotokoll des St. Johannisklosters vor, 1788 war er verstorben.
[13]

   
________

[1] Stadtarchiv Hanau, 8. Taufbuch der Marienkirche 1691-1708, Nr. 349, Jahrg. 1704.
[2] Isaac Baron, Sohn des verstorbenen Bürgermeisters von Hanau. Seit 1696 vermählt mit Anna Philippe, Tochter des wallonischen Predigers Monsieur Pierre Philippe (†1690).
[3] Staatsarchiv Hamburg 612-1/60, II 1. Amt der Weinverlasser u. Faßbinder.
[4] MAVIUS, Götz: Die Evangelisch-reformierten Gemeinden in Stade, Hamburg und Altona Ihre Pastoren und Kirchen 1588-2007. Bad Karlshafen 2007.
[5] Staatsarchiv Hamburg (StA Hbg), 521-4 Deutsch-Evangelisch-Reformierte Gemeinde, V D 4a, Traubücher 1688-1815, 1731.
[6] StA Hbg. 521-4 Deutsch-Evangelisch-Reformierte Gemeinde, I G 4, Mitglieder und Konfirmanden der Reformierten Gemeinde Hamburg 1658-1841.
[7] BENEKE, Otto: Geschichte und Genealogie der Familie Lorenz Meyer in Hamburg. Hamburg, 1861.
[8] Ebenda
[9] StA Hbg. 612-1/60, II 1. Amt der Weinverlasser u. Faßbinder.
[10] TAGLICHT, Dr. Israel: Nachlässe der Wiener Juden im 17. und 18. Jahrhundert. Wien 1917, S. 151.
[11] Bei dem Kaufmann Heyer handelt es sich wahrscheinlich um den Vater des im Hamburger Adressbuch von 1794 aufgeführten Johann Hinrich Heyer (1751-1826), Inhaber eines Handlungs- und Weinhauses auf der Elbbrücke 38 in Altona, welches der Sohn (Christian Nicolaus Heyer, gest. 1853) nach dessen Tod 1826 unter gleichem Namen (J. H. Heyer Weinhandlung) fortführte. Beide waren Kämmereibürger in Altona. J. H. vermutlich seit 1786 und C. N. Heyer seit 1836.
[12] StA Hbg. 612-1/60, III 1. Amt der Weinverlasser u. Faßbinder.
[13] Dr. Albert de Boor in einer handschriftlichen Notiz an seinen Sohn Hans Adolf (ohne Datum).



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© Ulrich A. de Boor 2015