10.07.2016 12:00
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Jochim Timmermann (1702-1787)

           Jochim
Timmermann
1669-1734 
oo Christina
Heideck
16??-17??
               
    |            
    Jochim
Timmermann

1702-1787
3.
oo
 
Elisabeth
Negenborn
1712-1761
 
   
      |          
    Johann
Garlieb
1743-1???
Magdalena
Cornelia
1745-1???
Maria
 Elisabeth
1746-1810
Catharina
Maria
1747-17??
     
Jochim Timmermann, * 01.10.1702 in Hamburg, † 31.12.1787 in Hamburg. Weinhändler und Makler. Sohn des Weinmaklers Jochim Timmermann d. Ä. und der Christina, geb. Heideck.
In dritter Ehe vermählt mit Elisabeth Negenborn, Tochter des Maklers Johann Daniel Negenborn.

Der Sohn eines geschworenen Weinmaklers[1] hatte in Weikersheim an der Tauber gelernt und wurde nach seiner Rückkehr zunächst Weinhändler.[2] Im Alter von 26 Jahren heiratete er Catharina Heydeck (1698-1731), Tochter des Caspar Heydeck. Im Dezember 1729 erfolgt die Geburt des ersten Kindes, doch das Mädchen stirbt bereits nach 4 Wochen. Am 06. April des Jahres 1731 erblickt ein Sohn das Licht der Welt - er setzt die Tradition fort und erhält den Namen Jochim. Das Glück währt nicht lange, denn schon 8 Monate später notiert J. Timmermann: „Anno 1731 d 11 gbris. Morgens umb 7 ¾tel Uhr dem Sontage hat der große Gott meine liebe Ehe Frau durch einen Sanfft und Seelingen Toodt mir von der Seÿte weg gerißen nach einer 13 Monathlichen schweren Krankheit, der Nahme des Herrn seÿ davor Herzinniglich gelobet und gepriesen, der Ihres großen Jammers ein Ende gemacht."[3]

War J. Timmermann zunächst noch als unzünftiger Weinhändler tätig, trat er im Jahr 1732 in das Amt (Gilde, Zunft) der Weinverlasser ein.[4]
Das Führen einer Weinhandlung war in Hamburg von jeher ein freies Gewerbe, doch brachte die Aufnahme in das löbliche Amt, und die damit verbundene Verpflichtung zur Einhaltung der Handwerksordnung, für den Kunden einen gewissen Schutz vor den unredlichen Geschäftemachern. Der Käufer konnte somit einigermaßen sicher sein, auch den Wein zu bekommen, den er bestellt hatte.

Nach gut einjähriger Trauer heiratete der Witwer im Februar 1733 ein zweites Mal. Aber auch die Ehe mit der Jungfer Margretha Neukirch endet nach nur 6 Jahren, als sie im Alter von 32 Jahren unerwartet starb.[5]

Jochim Timmermann stieg nun auch in das Maklergeschäft ein. Den beeidigten Maklern an der Börse oblag das alleinige Recht öffentliche Auktionen durchzuführen und da ihre Anzahl begrenzt war, konnte die Ernennung durch die Makler-Deputation zu einem beträchtlichen Vermögen führen. Seit 1739 entrichtete er pflichtgemäß die jährliche Abgabe von 3 Mark Courant an die Deputation
[6] und im Jahr darauf wird im Makler-Verpflichtungsprotokoll festgehalten: „Anno 1740 d 27 Julÿ sind erwählet und haben sich zu obrigen [Conditionen] eigenhändig unterschrieben [...] Jochim Timmermann".[7]

Wie bedeutend die Weinhandlung des Jochim Timmermann in den nächsten Jahren wurde, dokumentiert eine Kundin - Elisabeth Schmidt[8] - die seit ungefähr 1759 einen Weinhandel führte, der „allerdings nur mäßig florierte". In einem Brief[9] an ihren Schwager Friedrich Gottlieb Klopstock vom 22. September 1760 schreibt sie: „[Jochim] Timmermann, der erste Weinhändler hier ein Onckel u besondrer Freund von Dorner übernimmt es ganz für uns zu sorgen, aller Weine für uns zu kaufen, wöchentlich darnach zu sehen, u uns einen sehr guten Menschen zu verschaffen der uns die Weine bearbeitet. Dorner ist mir Bürge für seines Onckels Ehrlichkeit…".[10]
Timmermanns Weinhandlung gehörte demnach zur ersten Adresse in Hamburg und auch sein Anwesen, ein dreigeschossiges, in einem Park gelegenes Palais zeugt von seiner gesellschaftlichen Stellung.
So erfolgreich er als Kaufmann und Weinhändler war, so unheilvoll waren die Vorkommnisse in seiner Familie. Nicht einmal 40-jährig war er bereits zum dritten Male verheiratet und musste in nur knapp 10 Jahren den Tod zweier Ehefrauen und der erstgeborenen Tochter beklagen. Seine dritte Ehefrau, Elisabeth Negenborn (1712-1761), war die Tochter des Maklers Johann Daniel Negenborn († 1743) und der Magdalena Overmann, die einer Goldschmiedsfamilie aus Hameln entstammte. Aus dieser Ehe stammen vier Kinder, darunter die Tochter Maria Elisabeth, die sich später als Portraitmalerin und Ehrenmitglied der Kunstakademie zu Kassel einen Namen machte.

Timmermann war auf dem Zenit seines Lebens, vermögend, Besitzer eines stattlichen Hauses und als Kaufmann und Makler erfolgreich, als sich die Gelegenheit ergab, die Familie von dem Kasseler Hofmaler Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722-1789) in Szene zu setzen.


Familie Timmermann, 1758. J.H. Tischebein d.Ä.Als mein Onkel nämlich mit dem Landgrafen in Hamburg war, malte er ein Familienbild von der Familie Timmermann, der die ausgesuchte Sammlung alter Originale hatte. Dieses Familienbild stellte ein Concert vor, worin Reiffenstein
[11] den Baß spielte. Auch das Portrait meines Onkels war darauf."[12]


Tischbein fertigte darüberhinaus noch separate Rötelzeichnungen an.
[13]

                    

von links: im Halbdunkel den Sohn Jochim (aus erster Ehe), Joh. Friedrich Reiffenstein am Cello, Catharina Margretha (aus zweiter Ehe), Magdalena Cornelia, Johann Garlieb, Maria Elisabeth im gelben Kleid (später verh. de Boor), zwei unbekannte Herren, die 3. Ehefrau Elisabeth Negenborn, die jüngste Tochter Catharina Maria, der Maler Johann Heinrich Tischbein und der Hausherr Jochim Timmermann (rechts sitzend).

J. H. Wilhelm Tischbein, der hier von dem Gemälde berichtet, war zwischen 1766 und 1770 selbst in Hamburg, als er die Kunst der
Malerei bei seinem Onkel Anton erlernen sollte. Der Neffe von J. H. Tischbein d. Ä. berichtet auch von einem Besuch bei Jochim Timmermann, der wie er schrieb: „eine Sammlung von vorzüglich schönen Bilden besaß", darunter „eine Abnahme Christi vom Kreuz", von Albrecht Dürer, Werke von Adam Pynacker und Johann Rottenhammer. „Bei Herrn Timmermann sah ich auch zuerst Landschaften von Everdingen. Er machte mich dabei aufmerksam auf das große Ganze und den regen Geist, der darin herrscht, auf die Gewalt des Wassersturzes, wie es schwer vom hohen Felsen zur Tiefe schießt, auf den Glanz des Lichts, der sich auf der Oberfläche spiegelt und in hellen Strahlen das durchsichtige Wasser durchdringt, das wenig Zeit zu schäumen hat und in einem Gusse zum Abgrund hinunterstürzt."
[14]
Timmermanns Sammlung war offensichtlich so bedeutend, dass sie Fremden bei ihrem Aufenthalt in Hamburg empfohlen wurde:
Von Mahlerey-Sammlungen sind jetzo besonders sehenswerth das Cabinet des Herrn Bürgermeister Peter Greve, Daniel Stenglin, Henrich Coldorf und Joachim Timmermann."
[15]

Als gebildeter und vermögender Kaufmann war er Teil des aufstrebenden Bürgertums dieser Zeit. Er beschäftigte sich mit der Malerei, las Gedichte und war Mitglied der 1765 gegründeten Hamburgischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe.

Über die letzten Lebensjahre ist nichts bekannt - er starb in der Sylvesternacht des Jahres 1787 und wurde am 4. Januar beerdigt.
 
 
 
________

[1] Staatsarchiv Hamburg, 375-1 Makler Deputation, Nr. 3 Makler-Verpflichtungsprotokoll (1679-1869). Darin "Ao 1713 d 27 Martÿ" Wahl / Eintritt des Jochim Timmermann d. Ä. und eigenhändig unterschrieben.
[2] Staatsarchiv Hamburg, 332-1 I Wedde I 29/8, Seite 170. Aufgeführter Beruf bei seiner ersten Heirat 1728: "Weinhändler" und bei der 3. Ehe 1741: "Mackler".
[3] Familienarchiv de Boor - Landesarchiv Schleswig Abt. 399.9 Nr. 19. Aufzeichnungen des Jochim Timmermann.
[4] StA Hbg., 612-1/60 Amt der Weinverlasser und Faßbinder, 17. Juli 1732.
[5] Aus der Ehe mit Margretha Neukirch (1706-1739) entstammte eine Tochter mit Namen Catharina Margretha (1739-1813), die unverheiratet blieb.
[6] StA Hbg. 375-Makler-Deputation, Nr. 6 Bd. 2, Makler-Cassabücher (1709-1740).
[7] StA Hbg. 375-Makler-Deputation, Nr. 3 Makler-Verpflichtungsprotokoll (1679-1740).
[8] Elisabeth Schmidt (1722-1788) war die Schwester von Margareta „Meta“ Klopstock.
[9] Friedrich Gottlieb Klopstock: Werke und Briefe. Historisch-kritische Ausgabe. In: Riege, Helmut (Hg.): Klopstock Briefe 1759-1766, Band I. 2003, S. 98.
[10] Martin Dorner (1728-1798), ein Hamburger Kaufmann, Bankier und Bürgermeister war ein Sohn der Anna Catharina Neukirch, einer Schwester von Timmermanns zweiter Ehefrau. Vgl. BUECK, Friedrich G.: Genalogische und biographische Notizen über die seit der Reformen verstorbenen hamburgischen Bürgermeister, Hamburg 1840, S. 260f.
[11] Reiffenstein, Johann Friedrich (1719-1793) war zwischen 1754 und 1758 Pagenhofmeister in Kassel.
[12) TISCHBEIN, Wilhelm: Aus meinem Leben. Dr. Carl Schiller (Hg.). Zweiter Band. Braunschweig 1861, S. 55.
[13] Das Gemälde und die Rötelzeichnungen befanden sich 6 Generationen im Besitz der Familie de Boor, ehe sie in den Besitz der Museumslandschaft Hessen Kassel übergingen
[14] TISCHBEIN, Wilhelm: Aus meinem Leben. Dr. Carl Schiller (Hg.). Erster Band. Braunschweig 1861, S. 79.
[15] KREBEL, Gottlob Friedrich: Die vornehmsten Europäischen Reisen. Erster Band. Hamburg 1767.
 



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