19.05.2019 11:19
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Franziska Emilie Caroline Mommsen, geb. de Boor (1824-1902)

Franziska Mommsen, geb. de Boor 1824-1902
      Carl Fried.
de Boor
1776-1848
oo Elisabeth
Hagelstein
1798-1891
     
        |        
Charlotte

1822-1905
Tycho
Mommsen
1819-1900
oo Franziska
de Boor
1824-1902
Julia

1825-1905
Elisabeth

1828-1873
Franz

1830-1894
Johanna

1832-1848
Anna

1835-1926
    |            
  Elisabeth

1850-1935
Jens

1852-1922
Agnes

1854-1920
Hermann

1855-19??
Emma

1857-1943
Luise

1859-19??
Marie

1861-1879
Wilhelm

1863-19??
  Franziska Emilie Caroline Mommsen, geb. de Boor, * 05.05.1824 in Hamburg, † 15.11.1902 in Frankfurt am Main. Tochter des Juristen Carl Friedrich de Boor und der Elisabeth (Betty), geb. Hagelstein (Tochter des Dr. Franz Daniel Hagelstein). 1849 Heirat mit Carl Johannes Tycho Mommsen.

Das zweite Kind aus dieser Ehe erhielt den Namen Franziska. Bei ihrer Taufe in der Hamburger St. Michaelis Kirche standen als Paten der Großvater Justizrat Dr. Franz Daniel Hagelstein aus Oldesloe, Emilie Amsinck und der spätere Oberaltar Johann Carl Jacobj zur Seite. Mit der älteren Schwester Charlotte und ihren Geschwistern aus den beiden vorhergehenden Ehen ihres Vaters lebten nun sechs Kinder in dem Haushalt.
Sie wuchs zunächst im elterlichen Haus in der Hamburger Neustadt auf, während sie den Sommer im Gartenhaus in Dockenhuden verbrachte.
Als in Hamburg 1831 die Cholera ausbrach, blieb die Familie ganz auf dem Land und zog schließlich 1833/34 nach Oldesloe in Holstein. Die Wohnung in der Lange(n)straße Nr. 18 bot neben ihren 6 Geschwistern auch noch Platz für zwei Dienstmädchen und eine Erziehungsgehülfin. Im April 1839 wurde Franziska und ihre Schwester Charlotte vom Oldesloer Pastor Jens Mommsen[1] konfirmiert.
Staats  und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten 
  No. 73.  Am Freytage, den 7. May. Anno 1824.
Um 1845 verbrachte Franziska einige Zeit im Haushalt ihrer Halbschwester
Johanna, die mit dem Regierungsrat Peter Lüders und ihren vier Kindern in Schleswig lebte. Als dieser in den Ruhestand versetzt wurde, kehrte sie in das Elternhaus nach Oldesloe zurück, wo sie Anfang 1848 zunächst ihre jüngere Schwester und drei Monate später auch noch ihren Vater verlor. In dieser Zeit gab sie wohl dem Werben Tycho Mommsens (1819-1900) nach, der im Herbst 1848 eine Stelle als Kollaborator an der Gelehrtenschule in Husum angetreten hatte. Ausgestattet mit einer festen Anstellung und einem bescheidenen Gehalt, heiratete der Philologe die Advokatentochter Franziska de Boor am 12. April 1849 in Oldesloe.

Im Sommer 1850 mußten sie wegen der politischen Verhältnisse Husum eilig verlassen und Mommsen fungierte ein halbes Jahr als interimistischer Lehrer an der Gelehrtenschule in Altona bis Ostern 1851."[2] Inmitten der Unruhen brachte Franziska, im September 1850, in Oldesloe eine Tochter zur Welt, die den Namen Elisabeth erhielt. Nach seiner Tätigkeit in Altona wurde Tycho Mommsen die provisorische Stelle als zweiter Kollaborator an der Gelehrten- und Bürgerschule in Eutin übertragen, die er jedoch ausschlug und stattdessen eine Stelle als erster Professor am Realgymnasium in Eisenach annahm. Dort bekam das Ehepaar weitere drei Kinder und da ihre finanziellen Mittel bei weitem nicht reichten, bemühte sich Tycho noch ein oder zwei Pensionaire in sein Haus aufzunehmen.[3]

1855 erhielt Tycho Mommsen den Ruf als außerordentlicher Professor und Lektor der neuen Sprachen in Marburg mit einem Gehalt von 600 Reichstaler. Daraufhin bot ihm die Regierung des Großherzogtums Oldenburg, die seit 1854 vakante Stelle als Direktor der höheren Bürgerschule an und versprach ihm das doppelte Gehalt. Tycho zog es wohl eher nach Hessen, als jedoch die Verhandlungen über ein höheres Gehalt scheiterten, ging die Familie nach Oldenburg, wo der Professor in den Jahren 1856 bis 1864 als Rector tätig war.[4] In dieser Zeit kamen vier weitere Kinder (Emma, Luise, Marie und Wilhelm) zur Welt.
Nach der Besetzung Holsteins durch Truppen des Deutschen Bundes, traf die Familie im Anfang 1864 Vorbereitungen für eine Rückkehr in die Heimat, als man Mommsen anbot das Directorat des Gymnasium zu Frankfurt zu übernehmen und so siedelte das Paar mit ihren acht  Kindern in die Stadt am Main, wo sie in der Dienstwohnung des Schulgebäudes im Arnsburger Hof, in der Predigergasse 3, unterkamen. Sechs Jahre später verließen sie die beengten Verhältnisse und zogen zunächst in die Pfingstweidstraße, später übergangsweise in die schöne Aussicht - Mommsen hatte sich schon seit längerer Zeit für ein neues Schulgebäude eingesetzt - aber erst mit dem ersehnten Umzug der Lehranstalt (in die Junghofstraße), im Jahr 1876, kehrten sie zurück und bezogen die dortige Dienstwohnung.

Nachdem T. Mommsen in den Ruhestand trat, zogen sie mit einigen Kindern in die Feststraße, wo das Paar 1899 ihre Goldende Hochzeit feierte, ehe Tycho am 30. November 1900 starb. Die Witwe selbst verbrachte ihre letzten Lebensjahre dann zusammen mit den Kindern Elisabeth, Agnes, Hermann und Luise in einem Haus in der Leerbachstraße.[5]
 
 
 
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[1] Jens Mommsen (1783-1851) war der Vater von Theodor und Tycho Mommsen.
[2] Familien-Nachrichten der Familie de Boor von Dr. Carl de Boor, niedergeschrieben Anfang des Jahres 1853.
[3] In einem Zeitungsinserat 1852: "Um Michaelis d. J. bin ich bereit, noch einen oder zwei Pensionaire in mein Haus aufzunehmen. Joh. Tycho Mommsen, Professor am Realgymnasium."
[4] T. Mommsen erklärte sich bereit nach Marburg zu gehen, wenn ihm 2/3 des Oldenburger Gehalts gewährt würde, was jedoch u.a. mit dem Verweis seiner Herkunft (es war die erste Berufung eines Schleswig-Holsteiners) abgelehnt wurde.
[5] Frankfurter Adressbücher: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:30:2-299683.



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